Jupiter Jones | 2006 Drucken E-Mail
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Geschrieben von V-Mann am Sonntag, 20 August 2006   

Die Jungs habe ich vor ihrem konzert in heidelberg interviewen dürfen, sehr nette Leute mit denen ich den ABend über noch manch spaßiges Gespräch hatte!
Im Interview verraten sie die Geheimnisse ihrer texte, Pläne zum nächsten Album und einiges mehr!

Zum warm werden stellt euch und eure Rolle in der Band doch erst mal vor.

Nicolas: Ich bin der Nicolas und bin der Sänger und Gitarrist der Band Jupiter Jones

Sascha: Ich bin Sascha und tue auch so als ob ich singen könnte manchmal.

2005 gehört nun seit kurzem der Vergangenheit an; ein sehr ereignissvolles Jahr, an dessen Ende wir einige, Feststellungen zu machen hatten: Wir sind Deutschland, alle drei der Papst und wohl wieder reif für eine große Koalition. Was sind eure Impressionen, Erfahrungen und in welcher Erinnerung behaltet ihr dieses Jahr?

Nicolas: Also ich habe relativ gut behalten das ich mich nicht wirklich so gefühlt habe als wäre ich Deutschland und noch viel weniger habe ich mich so gefühlt als wäre ich Pabst und zum thema große Koalition wurde glaube ich alles dahergeleiert was es zum daherleiern gab, was soll man da noch großartig Lanzen brechen das man so was nicht gut heißen kann sollte wohl jedem mit gesundem Menschenverstand klar sein.


Ich hab nun von vielen Leuten gehört das sie sich sehr mit euern Texten identifizieren können, und sich super reinversetzten können, legt ihr da wert drauf oder ist das nur ein netter Nebeneffekt?

Nicolas: Ich denke das als Absicht hinzustellen würde voraussetzen das ich als Schreiber der Texte allwissend bin, ich denke einfach das meine eigenen Gefühle und Erfahrungen jetzt nicht so Außergewöhnlich sind als das man sich nicht damit identifizieren könnte.
Das Ding ist das wir den Alltag nehmen und ihn in unseren Musik verwursten, so das sich damit wohl einige Leute identifizieren können.

Das heißt eure texte sind großteils auch biographisch zu sehen und ihr kennt beispielsweise diesen “JUPP“ oder ist das alles rein fiktiv?

Nicolas: Jetzt hast du natürlich einen speziellen punkt, einen JUPP kennt nun wissentlich glaube ich keiner von uns. Aber jeder von uns kennt eine traurige Geschichte, bzw. jeder von uns kennt genug traurige Geschichten die es zu erzählen gibt, deshalb kann man diese auch eigentlich in einem text zusammenfassen und kompensieren, so ist dann unser JUPP entstanden.
Dabei geht es auch gar nicht um die Selbstmordgeschichte die da erzählt wird an sich sondern um ein Schicksal wies der JUPP hat oder hatte wie es halt an tausend anderen Stellen auch da ist.

Zusammenfassend könnte man also sagen eure Hauptinspirationsquelle für die texte ist passend zum Demo Titel das Leben?

Nicolas: Ja absolut! Am Besten Tür auf raus auf die Straße da sind meist die besten Ideen

habt ihr angst davor irgendwann mal die Fähigkeit des Textens zu verlieren, also einfach keine Ideen mehr zu haben?

Nicolas: dazu hab ich mir bisher eigentlich noch keine Gedanken gemacht, aber jetzt wo dus sagst, sehr gute Frage, ich habe da eigentlich keine Angst davor weil ich da bisher einfach nicht in der Situation war und es mir auch noch nicht vorstellen kann.
Ich kann jetzt aber auch ganz ehrlich sagen das WENN es passieren würde, ich es persönlich echt schrecklich finden würde, weil ich es einfach lieb gewonnen habe und es einfach auch absolut gut finde alles was ich so im Kopf habe einfach so ungestraft in einen text zu verpacken und das es dann wirklich irgendwo Leute gibt die sagen „Das find ich auch gut“ aber wirkliche Angst ist das bisher noch nicht, nein.

nun die Frage die nur von einem Designstudent kommen kann: eure erste Demo und auch eure erste platte sind recht interessant gestaltet, wenn ich mir da die ersten Demos anderer Bands ansehe ist das ja kein vergleich, macht ihr das selbst? habt ihr da nen netten Engel der euch hilft?

Sascha: Also die ersten Sachen, na eigentlich alles, na ja also SEHR viele Sachen hat eigentlich der Nici selbst gemacht

Nicolas: Ja also ich war am Ende derjenige der in der glücklichen Situation war, die guten und wirklich großartigen Vorlagen die wir so bekommen haben zusammenschieben zu können.
Wir haben halt schon ein paar richtig talentierte Leute die halt Zeichnen oder Konzeptumsetzung richtig gut drauf haben und ich bin dann so ein bisschen der Typ der dann ein paar Stuunden vorm Computer sitzt und das ganze dann am Ende mit Photoshop zusammensetzt.

Laut eurer Webseite ist ein zweites Album in Planung! gibt es schon Details wie Releastermin, Name etc.?

Sascha: Da ist schon einiges in Planung aber noch nicht so richtig viel was man sagen könnte.
Wir werden jetzt in der ersten Jahreshälfte noch ins Studio gehen, vor dem Sommer noch, das ist schon sicher.
Ein genauer Termin steht da noch nicht fest aber wir wissen schon wo wir es machen werden, wir werden in Köln die Aufnahmen machen und haben geplant diesmal für unsere Verhältnisse auch mal richtig lange ins Studio zu gehen und uns ein wenig zeit nehmen.
Die Platte soll ähm wenn alles gut geht im Oktober rauskommen

Euer erstes Album und auch eure Demo wurde ja in den meisten Kritiken in den Himmel gelobt, ist da nun heute ein gewisser druck da? also Erwartungsdruck... oder das das Teil noch erfolgreicher werden soll?

Sascha: Also wenn ich da jetzt mal von mir spreche, ich steuere ja die Gitarrensachen zu der Musik bei und muss ganz ehrlich sagen, ein bisschen Druck baut das schon bei einem auf wenn man merkt das bis jetzt noch nichts von uns so wirklich zerrissen wurde, also von der DEMO über die EP bis zur Platte.
Macht man sich schon manchmal Gedanken ob denn auch die nächste platte so toll aufgenommen wird, aber eigentlich beim Songschreiben oder komponieren machen wir eigentlich genau das was aus uns raus kommt, ohne da jetzt versuchen zu wollen das vergangene noch mal zu kopieren oder da noch mal großartig dran anzuknüpfen, ich gebe mir da Mühe einfach den kopf frei zu kriegen um die neuen Sachen zu machen.

Nicolas: Ja ebenso, also ich denke der Druck von uns selbst oder die Erwartungen von uns selbst an uns selbst ist vielleicht noch höher als die von Außenstehenden weil das erste bzw. kleinste Ziel ist ja immer eine Platte zu machen die in keinem Moment schlechter ist als die vorhergehende, das darf auf keinen Fall passieren!
Ich denke mal wenn wir uns so qualitativ da weiterbewege wo wir waren sind die Leute die es hören zufrieden, aber wir selbst wohl nicht, wir wollen uns da schon noch ein Stück weiterbewegen.

In jedem interview das ich bisher von euch gelesen habe kam eine Sache vor, die ich nun aus Tradition natürlich auch ansprechen will, auch wenn ich durch mein T-Shirt schon verloren habe, ganz ganz ehrlich, nerven euch diese ollen ...But Alive Vergleiche nicht langsam?

Sascha: Gott sei dank ist jetzt unser Schlagzeuger nicht hier, sonst kämme jetzt eine Hasstirade *gelächter*

WARUM?

Sascha: also ehrlich gesagt es nervt wirklich langsam, also ich muss ehrlich gestehen vor der Band, also wir haben die band irgendwann im Herbst 2002 gegründet, kannte ich weder ...But Alive noch MuffPotter noch Kettcar, obwohl ich in den 90ern ziemlich viel Punkrock gehört habe und auch eigentlich quasi mit Punkrock groß geworden bin.
Aber ich finde wir haben weder irgendwie musikalisch was mit ...But Alive zu tun noch mit MuffPotter und schon gar nichts mit Kettcar.
Ich weiß nicht wo die Leute das her haben, ich kann es nicht nachvollziehen.

Nicolas: Es fällt auf das es wirklich einfach von den deutschen texten hergeleitet wird. Ich bin eigentlich derjenige in der Band der ...But Alive schon immer SEHR gemocht hat, gerade Marcus Wiebusch für seine Texte, wie bei Kettcar auch, nur musikalisch haben wir halt wirklich gar nichts mit denen am Hut, man fühlt sich da auch gar nicht ans Bein gepisst das man sich jetzt denkt “...But Alive – was für nen Dreck“ auf keinen Fall, die Frage ist halt nur wie sehr hat sich derjenige der die Frage stellt mit der Musik befasst.
Hat er einfach nur bemerkt das ist irgendwo Punkrock und irgendwo sind auch deutsche Texte, da gibt es einfach Vergleiche die näher liegen würden, die ich hier nun aber NICHT nennen werde.

Passend dazu, gibt es hingegen eine Band oder auch ein Solokünstler mit dem ihr gerne mal verglichen werden würdet?

Nicolas: Also da ist uns ja allen das Herz aufgegangen als wir irgendwann mal mit HOT WATER MUSIC verglichen wurden.
Das ist zum Beispiel so ein Fixpunkt innerhalb der Band und der gemeinsame Nenner von uns allen.

Der vergleich ist zufälligerweise auch in unserer Review gefallen ;-)

Nicolas: Hehe da haben wir es doch, der Mann weiß bescheid.

Sascha: Also ich muss auch sagen WENN irgendwas den Nenner von uns allen treffen würde dann nur Hot Water Music

Wo wir gerade dabei sind, einer unserer Leser will bemerkt haben dass sich euer Sänger sehr nach Herren Grönemeyer anhört, kam dieser vergleich schon mal irgendwo auf, habt ihr ihn schon mal gehört?

*allgemeines Gelächter*
Nicolas: ja ich finde ihn selbst sehr interessant ist mir nämlich noch nie so aufgefallen. Aber der Vergleich ist wirklich schon mal bei einer befreundeten band aus München aufgekommen.
Die waren geschlossen der Meinung das ich mich wie Herbert Grönemeyer anhöre.
Ist nun auch nichts wo wir das große Kotzen bekommen, aber irgendwo kann ich den Vergleich auch nicht so wirklich nachvollziehen.
Aber es ist ok, irgendjemand hat auch mal geschrieben ich würde klingen wie Herbert Grönemeyer der mit einer Eisenstange verprügelt worden ist, fand ich damals auch SEHR interessant.

Wie sind prinzipiell die Strukturen in eurer Band? Gibt es da so was wie den CHEF oder seit ihr komplett Demokratisch?
Bisher wenn ich euch eine eMail geschrieben habe, habe ich immer von Sascha eine Antwort bekommen, ist das übertragbar auf alle, ist er derjenige der sich um alles kümmert oder ist das reiner Zufall?

Sascha: Also demokratisch sind wir auf jeden Fall, wir entscheiden alles zusammen, wir setzen uns in den Proberaum und besprechen alles, das einzige ist halt das ich den ganzen Organisationskram mache bei der Band

Mein Album 2004 wart ihr mit RAUM UM RAUM, Das Album 2005 waren dann Muff Potter mit VON WEGEN, ich darf heute Abend als ein hervorragendes musikalisches Ereignis erwarten, welche Bands müssten da für euch auftreten?

Nicolas: also da bekommt dann bitte als aller erstes der Herr Chuck Reagan den Arsch hoch und reuniert HOT WATER MUSIC, denn die müssten prinzipiell auf JEDEM Konzert eigentlich spielen.
Für mich wäre es dann definitiv noch DEATH CAB FOR CUTIE und im selben Atemzug wohl noch THE POSTAL SERVICE, gut das wären dann zwar der gleiche Sänger aber wenn die beiden mal zusammen auf der Bühne ständen wäre ich schon vollkommen befriedigt und sehr glücklich.

Sascha: Also ich habe im Moment die Beatsteaks für mich entdeckt, mag die platten vorher alle nicht so gerne aber die “Smack Smash“ ist ein Hammer und läuft bei mir gerade rauf und runter.
Die habe ich gerade vor ein paar Wochen gekauft und finde ich geil, finde ich auch live sehr geil.

Das bedeutet ihr seit beide auch privat Musikfans die es genießen mal in aller Ruhe im Plattenladen zu stöbern oder läuft das eher „Schnell rein, schauen ob das Jupiter Jones Album da ist, wenn ja kaufen, wenn nein schnell wieder raus!“?

Sascha: *lacht* Das machen wir eigentlich nie oder?

Nicolas: Nein, es ist ja auch die Frage ob es nicht vielleicht gut ist wenn die platte nicht da ist weil dann ist es ja gekauft worden von daher (...)
Nein also wir können glaube ich schon alle ganz exzessiv im Plattenladen überwintern...

Sascha: vor allem ja unsern Schlagzeuger sollte man hier mal lobend erwähnen, der gräbt sich immer in irgendwelche Metal Schallplattensammlungen ein und kommt da nie wieder raus.

Wie beurteilt ihr den als noch recht junge Band die Situation in Deutschland was Newcomer Bands angeht? Also nicht ob es hier genug gibt sondern wie die Strukturen, zum Beispiel, Labels, Staatliche Förderung oder auch Fanzines oder Webzines wie das unsere, vorhanden sind und euch unterstützt haben.?

Nicolas: Also grundsätzlich ist es ein bisschen schade zu sehen das in Deutschland die Förderung eigentlich so ein bisschen hinten dran steht, es gibt so zwei drei richtig gute Fördermaßnahmen wo wir Gott sei es gedankt bei zwei mitmachen durften, das war einmal dieses Pop Camp und dann der Rock Buster, dieser Nachwuchs Wettbewerb bei dem wir halt mitgemacht haben.
Im großen und ganzen sieht es aber in Deutschland da echt ein wenig dunkel aus.
Wir kommen aus der Benelux Ecke, sprich Belgien und Luxemburg liegt direkt vor der Haustür und da sieht die Förderung halt schon ganz anders aus, da gibt es halt einfach teilweise vom Staat gezahlte Gehälter an junge Bands die sich halt irgendwie dafür qualifiziert haben und die werden da dann auch gefördert bis aufs äußerste.
Die haben da dann auch ganze Radiostationen wo nur Newcomer Sachen laufen und so was vermissen wir alle schon auch in Deutschland.

Sascha: Also staatliche Förderung ist ja eigentlich gleich null, wenn ich das richtig überblicke gibt’s da ja wirklich garnichts wirkliches.
Was ich aber wirklich richtig cool finde sind diese ganzen Underground Fanzines und auch online Fanzines, also diese ganz vielen Leute die sich da wirklich den Arsch für die Bands aufreißen und Reviews schreiben und eben diese Konzertberichte und so.
Da haben wir auch wirklich richtig richtig viel geiles Feedback bekommen das finde ich also wirklich klasse.

Ihr spielt ja heute mit Muff Potter, bei denen es in der letzten zeit öfter zu Anfeindungen aus der Punkszene kam, wo ihnen vor allem Vorwürfe wegen ihrem „Wechsel“ zu Universal und der angeblichen VerKETTCARisierung ihrer Musik gemacht wurden, habt ihr so was auch schon erlebt? Also Anfeindungen jeglicher Art?

Nicolas: Da wir ja keine so lange Vorgeschichte wie MuffPotter haben, waren wir eigentlich nie in irgendeiner Szene wirklich verwurzelt, wie auch jetzt noch nicht wirklich.
Da stehen die verschiedensten Leute auf unseren Konzerten. Von daher mussten wir uns auch noch nichts anhören.
Allerdings ist auch die neue Platte noch nicht draußen, das ist ja schon immer so ein heißes Eisen.

Sascha: Naja und selbst wenn, die könnten mir mal alle gepflegt den Buckel runter rutschen, das ging mir dann doch relativ am Arsch vorbei

Am ende noch die Todschläger Frage für jedes interview, gibt es eine Frage die ihr gerne mal in einem interview gestellt bekommen würdet?

*Karsten betritt den Raum und wird direkt mit dieser Frage betreut*

Am Ende einigen sich die Jungs zu dritt das uns die Antwort auf die Frage per eMail nachgeschickt wird, sollte da noch was kommen, werde ich das hier natürlich gerne nachtragen ;-)

Vielen Dank für das interessante und sehr lustige Interview hat mir sehr viel Spaß gemacht!

 


V-Mann
About the author:
V-Mann der Webmaster von TeamTrash.de der den Stein hier ins Rollen gebracht hat.
Er ist von Beruf Grafiker bei einer Agentur in Weinheim und Selbstständiger.
Er hat einen faibel für intelligenten Deutschpunk und Folkpunk, TeamTrash.de ist für ihn ein reines HobbyProjekt!
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